Geschichte des Hp Boderitz-Cunnersdorf

Im  genehmigten Hauptanschlag der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen zum Um- und Ausbau der „Hänichener Kohlenzweigbahn“ für den allgemeinen Personen- und Güterverkehr vom 22.07.1907, Nr.1500, sah die Bahnverwaltung keine Bahnstation für die Gemeinden Cunnersdorf, Neubannewitz und Boderitz vor.

Die Bewohner der genannten  Gemeinden und Ortsteile sollten die Bahnstation „Bannewitz“  benutzen. Petitionen der Gemeindevertreter und der Großgrundbesitzer von Boderitz und Cunnersdorf erwirkten 1908 bei den Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen ein Zugeständnis zum Bau einer Zu- und Ausstiegsmöglichkeit auf Flur Cunnersdorf an der neuen Nebenbahnlinie „Potschappel – Possendorf“ (Windbergbahn).

Der 100 Meter lange Bahnsteig „bahnlinks“ sah seitens der Bahnverwaltung darauf keinerlei Stationsbauten für den Reiseverkehr vor. Erst im Jahre 1923 konnten die zahlreichen Ausflügler und die einheimische Bevölkerung eine ausgediente Wartehalle auf dem Areal nutzen.

Die  von der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft auf dem Bahnsteig aufgesetzte Wartehalle wurde wegen Nichtbedarf an der Strecke Dresden – Werdau  (DW) von  der Haltestelle „Dresden-Plauen“ vom Possendorfer Baumeister Arthur Schöne abgebaut  und auf dem Stationsplanum bei Station 95 + 32,- links  der Bahnstrecke auf dem  Haltepunkt „Boderitz – Cunnersdorf“ wieder aufgerichtet.

Dresden-Plauen alter Bf um 1910
Dresden-Plauen alter Bf um 1910 mit 2x sächs. IV T Foto: Sammlung G.Wolf
AK Felsenkeller
AK Felsenkeller mit Blick auf die Wartehalle des alten Bf Dresden-Plauen vor 1920. Foto: Sammlung B.Hauptvogel

Die dabei anfallenden Kosten in Höhe von 2560 RM  teilten sich die DRG und die beiden Gemeinden Boderitz und Cunnersdorf je zur Hälfte. Das hölzerne zierverbretterte Fachwerkgebäude mit einer Grundfläche von 43,45 m² trägt ein Pultdach mit 2 lagigem abgeteerten Pappdachbelag.

Nach Westen  besteht Sicht aus 2 fünffach geteilten Sprossenfenstern. Die Gleisfront zieren 3  große Holzfenster mit 4 fach Kreuzsprossenteilung, die dachförmig nach oben enden. An der Ostseite , Richtung Bannewitz, befindet sich der Wartehalleneingang mit einer einflügligen, glaslosen Dreifeldholztür mit Sperrholzspiegeln. Im unbeheizten Warteraum  stand eine doppelte, ausgeformte Holzlattensitzbank, die für 12 Personen Sitzmöglichkeiten bot.

Ein Drittel der Wartehallengrundfläche war mit einer Ziegelmauerwand und einer Tür als Werkzeug-und Aufenthaltsraum für die Rotte der Bahnmeisterei Potschappel abgetrennt. Die Räumlichkeiten besaßen keine Beleuchtung. Eine Möglichkeit zum Kauf  von Fahrkarten bestand auf der Station nicht. Mit der Ausgabe des Sommerfahrplanes 1930 führte dieser Haltepunkt die neue Stationsbezeichnung “ Cunnersdorf (bei Freital)“ Sie blieb bis zur Aufgabe dieser Verkehrsstelle am 20.04.1951 unverändert bestehen.

Um 1914  verlängerte die DRG den Hausbahnsteig um weitere 50 Meter nach Westen, um den sprunghaft gestiegenen Personenverkehr (Züge mit 15 Reisezugwagen) betriebssicher auf der Station zu garantieren. Der Bahnsteig der Station wurde mit drei bahnstandartisierten Mastlampen zu je 200 Watt Glühbirnen bis zur Passage des letzten Zuges beleuchtet. Am Bahnsteigabgang Richtung Schachtstraße existierte eine 12 Meter lange, weiß gestrichene Bahnsteig- Schutzanlage aus Balkenhölzern , um bei der Ein- oder Ausfahrt des Zuges ein Betreten der Gleisanlagen durch die Reisenden zu unterbinden.

Die Farbgebung der Wartehalle entsprach der Norm der DRG für  Haltepunkte an Nebenbahnen. Der Holzkorpus zeigte sich in der  Wetterschutz- Mischfarbe rotgoldbraun,  Alle Fenster waren in Echtweiß gestrichen.

Beitrag verfasst von Jürgen Schubert
Autor des Buches „Die Windbergbahn“ (1982 und 1993)

P.S.: Wir suchen weitere Bilddokumente zum alten Bf Dresden-Plauen mit Wartehalle im Zeitraum von 1897-1923. Wer kann Sie uns welche (bitte bevorzugt Digital) zur Verfügung stellen? Besten Dank im Voraus!

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